Bilderbuch (AT)

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Es war einmal, zehn Sommer ist’s wohl her, da schrieben vier Gymnasisten auf einem Stiftsgymnasium im erzkatholischen Kremsmünster Lieder zu deutschen Märchen. Eines hieß sehr wienerisch morbid: „I woid, I war dot.“ 2009 brachte ihnen ihr Album ‚Nelken & Schillinge‘ (sprich: „Nöökn uund Schillinge“) Vergleiche mit Brit-Lärmern wie Franz Ferdinand und Bloc Party ein und 2011 nährte das verrätselte Konzeptalbum ‚Die Pest im Piemont‘ einen etwas hilflosen Diskurs. Seit 2013 ‚Pille‘ Scheibl den Takt schlägt, so heißt es, sei der Rockduktus der gefährlich lässigen Combo einem hüftschwenkenden Hiphop-Appeal gewichen. Die Texte der vier stets posh gewandeten und korrekt frisierten Mittelstandskids scheinen textlich auf einer mit der linken Hirnhälfte nicht ohne Weiteres fassbaren Ebene zu s(chl)urfen.

In der Spiegelgasse 1 zu Wien huldigte 1916 eine Bewegung dem Nihilismus: Hugo Ball, Tristan Tzara, Marcel Janco, Hans Arp, Sophie Taeuber-Arp und Richard Huelsenbeck zerzweifelten rundweg alles, was bis dato als vernunftversichert galt, alle künstlerischen Mittel waren dabei erlaubt. Vielleicht sind 50 Jahre später ‚Büdabuch‘ ja goar net gaga, sondern ganz milde Dada, wenn sie falkohysterisch in einem Atemzug von Lamborghini, Mädchen und Copacabana schwafeln und es dazu pluckern und schnalzen lassen, dass die tanzwütige Crowd ganz wuschig wird?

 

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